Westminster Bote

Zeitschrift der ERKWB Basel, 6. Ausgabe, April 2014

Das Evangelium vom Kreuz
Die Botschaft von Karfreitag und Ostern

Ein Mann stirbt an einem Kreuz. Warum ist der Bericht einer Hinrichtung ein Evangelium, eine gute Nachricht? Ob jenes blutige Geschehen auf Golgatha für Sie ein Bericht des Grauens oder eine herrliche Botschaft ist, entscheidet sich daran, wie Sie den Mann am mittleren Kreuz beurteilen – Jesus von Nazareth, wie er von seinen Landsleuten genannt wurde.

Nach einem öffentlichen Prozess wurden ausserhalb von Jerusalem drei Kreuze aufgestellt. Am mittleren wurde der zum Tode verurteilte Jesus von Nazareth hingerichtet. Sein Vergehen: Er behauptete, Gottes Sohn zu sein. Links und rechts von ihm quälten sich zwei Räuber in den Tod. Bei den Kreuzen standen Schaulustige. Die grösste Aufmerksamkeit erhielt der Mann in der Mitte. Der Sterbende wurde verspottet: „Du hast doch anderen geholfen, nun hilf dir selbst! Steig von deinem Kreuz, dann glauben wir dir, dass du der Messias bist!“

Einer der Räuber stimmte in den Spott der Schaulustigen ein: „Die Leute haben recht. Du meinst wohl, etwas Besonders zu sein! Beweise doch deine Macht und sorge dafür, dass wir nicht sterben!“ Kurz vor seinem eigenen Tod sah jener Verbrecher in Christus nur einen ganz gewöhnlichen Menschen. Dass dieser Jesus an der Seite eines Räubers starb, konnte anscheinend nur zwei Gründe haben: Entweder war er ein Hochstapler und hatte diese Strafe verdient oder er war eine bedauernswerte Kreatur, die einer Intrige zum Opfer gefallen war. Beide Umstände waren dem einen Räuber Grund genug, den Sterbenden zu verspotten.

Zu einer ganz anderen Einschätzung kam der verurteilte Verbrecher, der am dritten Kreuz seine letzten Atemzüge tat. Er war entsetzt über den Spott und verstand nicht, wie ein Sterbender sich dem Hohn der Menge anschliessen konnte, ohne sich um seine eigene Seele zu kümmern. Ihm war klar, dass der Mann in der Mitte diese grausame Strafe nicht verdiente. Darum sagte er zum Spottenden: „Wir zwei bekommen den Lohn für das, was wir getan haben. Er aber hat nichts Unrechtes getan.“

Der Verbrecher, der sich dem Spott der Volksmenge anschloss, starb schliesslich allein an seinem Kreuz. Niemand erbarmte sich Über ihn. Der andere Räuber fand kurz vor seinem Tod einen herrlichen Trost. Im Gegensatz zu den Spöttern am und unter dem Kreuz brauchte er keinen weiteren Beweis, um zu erkennen, dass er neben dem Herrn der Welt starb. Darum bat er ihn: „Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ Auf diese Bitte hin erbarmte sich Christus über den Verurteilten und sagte zu ihm: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ Dieser Mann blieb nicht allein. Er bekam die Hoffnung, dass er schon bald für immer mit seinem barmherzigen Retter zusammen sein werde.

Das Leben der beiden Räuber endete unterschiedlich, obwohl sie beide verurteilte Verbrecher waren. Sie unterschieden sich darin, was sie von Jesus von Nazareth hielten. Der Erste meinte, dass er neben einem normalen Menschen hing. Darum starb dieser Mann den normalen Tod eines Verbrechers.

Der andere hingegen erkannte, dass Jesus Gottes Sohn ist, der ohne eigene Schuld am Kreuz litt. Darum starb der Zweite mit einer aussergewöhnlichen Hoffnung. Diese unterschiedliche Beurteilung von Jesus von Nazareth scheidet heute noch die Menschen. Die Einen sehen in ihm einen Menschen, der zwar durchaus ein vorbildliches Leben führte und am Ende von seinen neidischen Landsleuten zum Tode verurteilt wurde. Sie klagen über die Menschheit, die immer wieder die Besten zur Strecke bringt. Jesus wird eingereiht unter die vielen Kämpfer für die Menschlichkeit, die ihre Überzeugung mit dem Leben bezahlen mussten.

Andere hingegen erkennen in diesem Jesus Gottes Sohn, der viel mehr getan hat, als nur ein gutes Vorbild abzugeben. Menschen, die Jesus in seinem Leben begleitet hatten, sprachen schon bald davon, dass am Kreuz auf Golgatha eine grossartige Sache geschehen sei. Jesus ist Gottes Sohn. Er starb vor den Augen vieler Menschen am Kreuz auf Golgatha, weil er  die Strafe für die Sünde und Gottlosigkeit auf sich nahm. Die Ungerechtigkeit, die Menschen tun, kann vergeben werden, wenn sie glauben, dass Jesus die Strafe dafür auf sich genommen hat. Es gibt Grund zur Hoffnung, dass der Tod nicht das Ende ist. All jene Menschen, deren Sünden vergeben wurden, können sich mit dem begnadigten Verbrecher darauf freuen, für immer mit ihren Erlöser in seinem Paradies zu sein.

Was muss ich tun, damit meine Sünden vergeben werden? Im Bericht von dem, was auf Golgatha geschehen ist, finden wir die Antwort. Der eine Verbrecher am Kreuz hat Jesus um Erbarmen gebeten. Diese Bitte wurde erhört. Der Sterbende konnte seine Taten nicht mehr ungeschehen machen. Am Kreuz konnte er nichts anderes tun, als darauf zu vertrauen, dass der unschuldige Jesus seine Schuld auf sich nehmen und so für seine Vergebung sorgen würde. Dieses Vertrauen wurde belohnt. Das ist der Glaube, von dem wir in der Bibel lesen.  Dieses Vertrauen führt zur herrlichen Hoffnung, einmal für immer beim heiligen Gott leben zu können.

 

Die Sünde der Welt

Johannes der Täufer sah Jesus kommen und sagte zu seinen Jüngern: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!“

Eine Sünde ist heutzutage keine schlimme Sache. Wir sagen, wir hätten gesündigt, wenn wir nicht einhalten, was wir uns selbst vorgenommen haben. Wenn wir einer leckeren Süssigkeit nicht widerstehen können, sündigen wir in unserer Diät. Wir müssen es später büssen und hungern. Es wird von Klimasündern gesprochen und geschrieben. Wenn wir die Umwelt durch Abgase belasten, werden wir es später einmal büssen müssen, wenn Smog in der Luft liegt und die Erdtemperatur steigt. Wir hoffen allerdings, dass wir diese Dinge wieder zurechtbiegen können, selbst wenn es uns viel Mühe kostet.

Die Sünde, von der Johannes der Täufer sprach, kann kein Mensch aus der Welt schaffen. Er meinte die Sünde, bei der ein Mensch nicht sein eigenes Wort, sondern Gottes Wort bricht. Wer einmal vor Gott schuldig wurde, weil er ihn und seine Gerechtigkeit verachtet, kann sein Vergehen niemals wieder gutmachen. Weil Gott ewig ist, ist auch die gerechte Strafe für die Sünde ewig.

Gottes Sohn kam in unsere Zeit. Er hat die Strafe für die Sünde auf sich genommen. Als der ewige Sohn musste er allerdings nicht in Ewigkeit büssen, sondern hat ein für allemal bezahlt, was die Menschen ihrem Schöpfer schulden. Der himmlische Vater hat ihn auferweckt und ihn zu sich genommen. Es war keine Sünde, keine Ungerechtigkeit mehr an ihm. Darum ist es ein freudiger Ruf, den wir von Johannes dem Täufer vernehmen: „Seht her, Gottes Sohn befreit uns von der ewigen Strafe!“

Sind alle Ihre Sünden vergeben?

Leider können wir Menschen unsere Sünden schlecht einschätzen. Entweder meinen wir, kaum gesündigt zu haben und darum gerecht zu sein, oder denken, unsere Schuld sei so gross, dass wir bestimmt nicht mehr zu retten seien. Wenn Sie meinen kaum gesündigt zu haben, fallen Ihnen ganz bestimmt Menschen ein, die wirklich ungerecht sind. Im Vergleich zu Dieben und Mördern stehen sie ganz gut da.

Denken Sie doch einmal nicht an fremde Ungerechtigkeit, sondern an ihre Gerechtigkeit. Christus sprach davon, dass wir Menschen eine oberflächliche Sicht der Gerechtigkeit haben. Wir meinen gerecht zu sein, wenn wir niemanden getötet haben. Tatsächlich wird schon ungerecht, wer über seinen Mitmenschen zornig ist und ihm darum Böses wünscht. Wir meinen gerecht zu sein, wenn wir uns von der Ungerechtigkeit zurückhalten. Tatsächlich ist erst der Mensch vor Gott gerecht, der seine Feinde liebt. Christus hat nach diesem Massstab gelebt. Wenn ich mich mit ihm vergleiche, sehe ich: Gott muss mir viel vergeben.

Wenn Sie meinen, Ihre Schuld sei zu gross, dass Gott Ihnen vergeben könnte, möchten Sie bestimmt nicht über Ihre Sünden nachdenken. Ich bitte Sie, über Christus nachzudenken. Als er am Kreuz starb, waren alle Sünden, die Gott jemals vergeben wird, auf ihm. Sie könnten Ihr ganzes Leben ununterbrochen sündigen und würden niemals so viel Schuld auf sich laden, wie der Mann am Kreuz trug.

Christus blieb nicht tot, sondern wurde von seinem Vater auferweckt und in den Himmel aufgenommen. Darum können Sünder hoffen, dass ihnen vergeben wird, wie der Apostel Johannes schrieb: „Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.“

Lassen Sie sich nicht täuschen: weder von ihrer eigenen Gerechtigkeit noch von ihrer Ungerechtigkeit. Gott rettet Sünder und vergibt ihre ganze Schuld. Begnügen Sie sich nicht mit der Ungewissheit, sondern bitten Sie den gerechten Gott, dass er Ihnen die Gewissheit schenkt, dass alle Ihre Sünden vergeben sind.

Wir helfen gern weiter. Wenden Sie sich doch an uns, oder besuchen Sie einen unserer Gottesdienste. Sie sind herzlich eingeladen!